Vienna Autoshow 2014 - Teil II - Es gilt die Unschuldsvermutung

Der VAG konzern präsentiert sich durch und durch in weiß. Auf den Ständen von Skoda, VW und Audi ist eine Sonnenbrille nicht verkehrt.


Skoda präsentiert gleich 2 Neuigkeiten. Einerseits wurde das, auf den Namen "Yeti" hörende, Multitool nachgeschärft, andererseits wird mit dem "Rapid" auf den Nutzwert eines kompakten Kombis geschossen. Beides ist gewohnt günstig aber solide bei betonter Emotionslosigkeit.

VW leistet BMW im Bereich Elektromobilität Gesellschaft. Das Highlight: XL1. 2 Sitze, 2 Flügeltüren, 2 Motoren und nur 1 Liter Verbrauch. So die Kenndaten. Optisch werden unfreiwillige Assoziationen an "I Robot" und "Minority Report" geweckt. Die Optik ist, gelinde gesagt, gewagt. Sollte "Zurück in die Zukunft" eine Neuverfilmung unterworfen werden, ist der XL1 der ideale Ersatz für den DeLorean. Vorausgesetzt das Filmbudget gibt € 111.000,- pro Exemplar her. Im wahren Leben heißt es etwas über 900.000km zurück zu legen um die Kaufpreisdifferenz zu einem handelsüblichen Golf mit dem Verbrauchsvorteil wieder wett zu machen.

Hinter einer Absperrung wird die Oberklasse der Oberklasse präsentiert. In einem Rost-Rot glänzt das zarte Kohlenstoffgewebe. Die Form ist vollendet. Das Gesamtkonzept - ein Kunstwerk das eigentlich in eine Vernissage und nicht auf die Straße gehört. Die Rede ist freilich vom Bugatti Veyron Vitesse - dem schnellsten (Serien-) Cabrio der Welt - ein elegantes, hochemotionales und ausgesprochen brachiales Präzisionswerkzeug.

Emotional ähnlich gepolt, allerdings - darf man den Vorurteilen Glauben schenken - deutlich weniger Präzise wird wenig weiter das neue Alfa-Tier unter den leistbaren Sportlern präsentiert - der Alfa Romeo 4C. Brennendes Rot Metallic, großflächig aufgetragenes Carbon (Monocoque) und ein Mittelmotor sorgen für aufsteigende Hitzewellen (zugegeben, das zart bekleidete Model ist hierfür auch ein Wenig verantwortlich). Der Promotor erklärt: bei € 54.000,- wird der Schlüssel überreicht (und hier handelt es sich tatsächlich noch um einen Klappschlüssel - das ist schon fast so retro, dass es wieder cool ist). Nicht im Preis inkludiert ist die vorgestellte weibliche Begleitung. Auch die eine Yoga-Stunde mit besonderem Augenmerk auf Körperfalttechnicken wird es wohl nicht auf der Aufpreisliste geben - sollte es aber denn das Einsteigen ist anspruchsvoll.

Traditionell deutlich präziser allerdings emotional jenseits des Taupunktes präsentiert sich Porsche. Der Urmeter des deutschen Sportwagenbaus, der 911, geht angesichts der Neuvorstellung eigentlich sogar schon unter. Das was das Scheinwerferlicht wir ein schwarzes Loch aufsaugt ist der neue, der kleine, der Macan. Weit entfernt mit einem Q5 verwandt bietet der neue Baby-SUV das Trittbrett in die Welt des Porsche-Fahrens. Mit € 65.000,- darf gestartet werden, lässt sich aber gewohnt deutlich in den 6-stelligen Bereich anheben. Ein Luxuspenthouse im Erdgeschoß der Modellpalette, gewissermaßen. Außen irgendwie ein zu heiß gewaschener Cayenne, geht es innen gewohnt Porschös zu. Die Mittelkonsole ist mit einem Tastaturbelag versehen und wirft spontan die Frage auf ob man hier auch das 10-Finger-System zwecks Bedienung benötigt.


Selbstbewusst präsentiert sich Kia. Knallig bunt wird der neue Soul in Szene gesetzt. Der Pro'ceed GT darf als neuer Hot Hatch in die erste Reihe. In Sachen Qualitätsanmutung und Ergonomie scheinen die Koreaner alles richtig gemacht zu haben. Ob dem so wirklich ist wird wohl eine Probefahrt beweisen müssen.


Auch Seat präsentiert sich als Geheimtip. Der kleine kantige Ibiza aus den 90ern versinnbildlicht den weiten Weg den die Spanier gegangen sind. Die neue Modelle wissen durchaus mit Wertigkeit zu überzeugen. Designtechnisch abseits der VW-gegenwertigen Fadesse stemmt man sich mit Kampfpreisen gegen die Konkurrenz.



Audi hingegen setzt sich am anderen Ende der Preisbandbreite ab. Mit dem RS7 präsentieren die Ingolstädter die Wollmilchsau auf Steroiden und mit sinn für Elegante.

Auch hier ist das weiß die dominante Farbe. Bei so viel bemühter Unschuldsvermutung stellt sich die Frage was die Jungs und Mädels des VAG-Konzerns eigentlich ausgefressen haben...

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