'Sacre Bleu!' oder 'Der unerwartete Futurismus des Seins'

Prelude
Das einst so nerdige Sci-Fi Genre ist inzwischen salonfähig geworden. Das mag mitunter daran liegen, dass wir bereits in der Zukunft leben. Erst bei einem bewussten Blick in die Vergangenheit wird uns die allmähliche Wandlung von der Wählscheibe zum Touchscreen ersichtlich. Die Jungs von Citroen mögen es weniger subtil und laden zum Probesitzen in einem Spacefighter ein - der neuen Göttin.




Seit 2012 kann der geneigte Raumschiffs-Captain bei Citroen anheuern, denn mit der DS Linie wurde eine Designlinie erschaffen die nicht ganz von dieser Welt ist. Die Namensgebung entstammt traditionsgemäß der Welt der Mythologie, doch entgegen dem allgemeinen Trend die griechischen Götter und deren Verwandte zu bemühen, griff man auf die eigene Geschichte zurück, auf die sagenumwobene Kult-Mythosgestalt "Déesse" - "die Göttin". In den 50er Jahren war die Göttin technologisch ihrer Zeit weit voraus und ist designtechnisch bis heute ein fahrendes Kunstwerk. Die, ob der Namensgebung selbstauferlegte Messlatte ist denkbar hoch, weshalb die Last des Erfolgsdrucks nun auf 3 Klassen verteilt wird - Mini, Kompakt, Mittelklasse. Wir skippen über die Einstiegsvarianten und gehen gleich zum Kern der Sache, dem DS5.



Erstkontakt
DS5 also... Was ist das? Optisch ist die Erscheinung nicht eindeutig zu zuordnen. Einerseits ein Kombi, doch ein wenig zu hoch - also doch ein Mini-Van - Nein! dazu ist er zu sehr Shooting Brake - ein Crossover kurz gesagt - "Lifestyle Kombi" in Marketing-Sprech.



Das Äußere ist wenig überraschend (dafür um so erfrischender) undeutsch. Während man in Sachen Design bei Audi&Co mehr auf Minimal Techno setzt, versucht sich der ferne Osten an einer Pop-Mischung aus Lady Gaga und Justin Bieber. Die neue Göttin ist hier, um die Vergleichbarkeit zu wahren, mehr eine Melange aus Aloe Blacc, Deadmau5 und den Wiener Philharmonikern. Jede Sicke, jede Kante, jede Linie ist eine Symphonie für sich und verschafft der DS den dramatischen Auftritt eines Todessterns. Die Eleganz geht indes ein wenig in der Dramatik unter. Etwas weniger wäre hier mehr gewesen.



Bemühte Retroanwandlungen sucht man vergebens. Das Designstatement ist klar: Man war stets original. Zitate habe man nicht nötig - nicht mal wenn man sich selbst zitiert. Diese Eigenschaft hat die DS mit den Vorfahren gemein - also doch irgendwie ein Zitat - ein Zitat durch Nichtzitat gewissermaßen.

Mit dem satten Verschlussklang der Tür erfolgt der Szenenwechsel. Das Cockpit (sprich: Pilotenkanzel) umschließt den Protagonisten gänzlich. Die Sinne vollführen eine Zeitreise.



Drei scharfkantige, digitale Displays erstatten Zustandsbericht. Die mittig positionierte, analoge (heißt mittels Zeiger) Geschwindigkeitsanzeige erscheint hier schon nostalgisch.

Von hinten bis in die scheinbar unendlichen Weiten der Windschutzscheibe erstreckt sich die Mittelkonsole. Keines der zahlreichen Knöpfe und Drehregler blieb dabei von der Designabteilung unangetastet. Jedes erscheint wie ein Kunstwerk in sich, die Anordnung beweist dabei Mut zur Asymmetrie - sehr sympathisch!

Die sportlich, flüchtige Form der Konsole bringt allerdings zuweilen auch praktische Nachteile - das Bedienen der Knöpfe artet schon mal in Dehnungsübungen aus. Alternativ kann hier per Volant (Multifunktionstasten) oder einem iDrive-Verschnitt in Griffweite gesteuert werden.


Den Abschluss nach oben bildet die Start-Taste mit angrenzender Borduhr. Die Borduhr verdient im Übrigen eine besonderere Erwähnung. So elegant wurde ein Chronometer in einem Fahrzeug noch nie ausgestaltet. Im großen Stil der Mercedessternabreißer wünscht man sich heimlich die Uhr rauszureißen und sich um's Handgelenk zu schnallen - die Ratio siegt - die Uhr darf bleiben.

Als Widerspieler wird die Knopfauswahl nach Oben, entlang des Dachhimmels erweitert. Die Bedienung im Alltag kann jedoch auch Missverständnisse auslösen - ein beherzter Fingerzeig gen Dachhimmel kann von Außen schon mal als universeller Autofahrergruß aufgefasst werden.



3 Separat bedienbare Sonnendächer erlauben den Blick auf den Sternenhimmel.


Das eigentliche Highlight stellt das kleine Stück transparenten Kunststoffs, dass sich bei jeder Zündung in das Blickfeld des Fahrers schiebt - das Heads Up Display. Was noch vor wenigen Jahren tatsächlich den Kampfjägern oder Computerspielen vorbehalten war findet inzwischen nach und nach den Weg in das reale Automobil. Der Informationsgehalt ist (noch) nicht überwältigend, die ständige Statusmeldung über Reisegeschwindigkeit und eingestellte Autopiloten (zu Deutsch: Tempomat) ist allerdings ein Luxus an den man sich allzu schnell gewöhnt hat.

Das gesamte technoide Kunstwerk darf man vom Ledergestühl aus genießen. Die bequem-weichen Konturen können aber weitaus mehr als extravagant aussehen und sich nur dem Fahrerhinterteil anpassen. Sitzheizung und Memoryfunktion sind beides keine allzu futuristischen Ausstattungsmerkmale mehr, aber da ist mehr. Mit einem Knopfdruck wird einem der Rücken massiert - ein Knopf für die Happy-Ending-Funktion findet sich keiner.


Bei Fahrgeschwindigkeiten jenseits der 70 fangen auch schon mal die Sitzflächen zu vibrieren an. Was sich so anfühlt wie ein Nokia 5110 mit Vibracall-Akku-für-Fortgeschrittene mahnt den Fahrer eine Leitlinie unter den Rädern begraben zu haben.

Akt
Nach all dem optischen Genuss ist es an der Zeit um Starterlaubnis zu bitten - Gurt an! - Starttaste! - Zündung!



Auf den ersten Metern wird klar - die DS ist mehr ein Millenium Falcon als ein Tie-Fighter. Nicht mal das Innenraumdesign kann über die knapp 1,6 Tonnen hinwegtäuschen. Ein 1,6l 4-Ender macht den Warpantrieb. Trotz geföhnten (soll heißen: "Turboaufgeladenen") 200 PS verschwimmt die Welt außerhalb der Windschutzscheibe dennoch nicht zu langen weißen Streifen. Die Beschleunigung kommt unaufdringlich, aber mit Nachdruck. Kurze Aufmerksamkeitspausen werden mit einem 80er in der 50er Zone quittiert. Der vorzeitige Verlust der Fahrlizenz wird durch den (optionalen) Speedlimiter verhindert.


Beschleunigungsversuche jenseits der Orts-Tafel und damit jenseits der 80 bescheren dem Antriebskern schon mal leichte asthmatische Anwandlungen. Während das selbe Triebwerk in der Konzernverwandschaft - etwa in einem Peugeot RCZ - durchaus angemessen sein Werk verrichtet, fehlt hier ein wenig die  (volumenbedingte) Souveränität. Abhilfe verspricht der hybridisierte Diesel. Die Paarung aus mehr Hubraum und einem Elektroantrieb, dazu der zuschaltbare Sport-Modus sind das Versprechen. Der Hybrid stellt dabei die Spitze des ökologischen (zumindest im DS Portfolio). Den allgegenwärtigen, vorgeschobenen, pseudo-öko Darstellungsaktionismus - bei der Konkurrenz läuft dies unter "Schaltpunktanzeige mit Gangwahlempfehlung", "Eco-Mode" oder "Start-Stop-Automatik" - erspart sich die Französin gänzlich. Nicht ganz en-vogue aber deswegen nicht unsympathisch.

Die Federung erstattet detaillierten Bericht über den Zustand eines jeden Straßendeckels, mittelgroße Unebenheiten werden dabei allerdings konturlos ins Federweg-Nirvana abgeleitet, Couch-Feeling sucht man vergeblich - "sportif" nennt es wohl der Franzose.


Die kurvenreichen Straßen zwischen Klo-Burg und Tulln werden gekonnt genommen. "Flink" und "Leichtfüßig" sind konzeptbedingt nicht im Programm. Eine Verneigung der Außenflanke vor dem Kurvenäußeren ist auch nicht bemerkbar - das gefällt. Die panikartigen Zustände des ESP seien dem Missverständnis zwischen dem Frontantrieb und den eisigen Straßen verschuldet, der ständige Drang der Göttin die Kurve geradeaus zu verlassen trägt hier allerdings nicht zwingend zur Deeskalation bei.
Die, seit einigen Stunden auf 105 km festgenagelte, Restreichweitenanzeige bewegt sich erstmals auf 55, dann geht es ganz schnell. Kurzes aufleuchten der 35 und schon eine 0. Im Ungewissen über den Anteil der Dämpfe und des Heimwehs im Verbrennungsprozess wird die nächste Tankstelle angesteuert. Der rein elektrische Fahrmodus des Hybriden wäre in dieser Situation schon ganz praktisch.
Nachspiel
Wenig später wird das Raumschiff auf der Homebase - dem Wiesenthal Donaustadt.
Der Empfang wird mit einem Handshake und einem Café besiegelt. Auf den umverformten Zustand der Leihgabe wird vertraut. 



Ein Blick in die Preisliste verrät das Wesentliche: mit knapp unter € 43.000,- ist man Klubmitglied. Damit ist aber auch die Aufpreisliste im Wesentlichen ausgeschöpft - teurer wird nur noch der Hybrid.


In Leasingraten heißt das dann € 447,88 im Monat bei knapp € 12.800,- im Voraus. Restwertmäßig stehen ca. € 17.200,- nach 3 Jahren an. Wer jetzt Angst bekommt nach Ablauf der Miete nochmals zur Kassa gebeten zu werden wird bei Citroen eines besseren belehrt – der Leasingrestwert ist nämlich garantiert - das kann sonst nur BMW. 

Auch Service und Garantie lassen sich gegen regelmäßigen Einwurf kleinerer Scheine (im Bereich um die € 20 - € 40 monatlich) pauschalieren bzw. verlängern.
Eins ist klar, die DS will Premium! Das schafft sie auch, meistens.



Bei all dem gebotenem Futurismus fehlen überraschenderweise gerade die Space-Features der zeitgenössischen Oberklasse: Totwinkel-Warner, Distanz-Tempomat, Nachtsichtgerät und ähnliches mehr.

Eingebettet in die Massagefunktion des Fahrerleders vergisst man allzu schnell, dass "mehr" zwar geht aber "mehr" noch viel mehr kostet. Rüstet man ein Deutsches Premiumprodukt mit derart Sci-Fi aus, fängt die Preisbandbreite tendenziell dort an wo sie bei der DS aufhört. Bei all dem Meckern auf hohem Niveau darf man auch eins nicht vergessen: egal wie teuer das Konkurrenzprodukt mit "Premium"-Prädikat ist, eine so elegante Analoguhr wie in der DS kriegt man nicht mal bei Verdoppelung des Kaufpreises.


PS: Für alle geneigten Spacekadetten und Raumschiffscaptains, für Han Solos, Captain Kirks und solche die es noch werden wollen - hier werden Sie geholfen: 


Wiesenthal Donaustadt: 
Georg Biber
Telefonnummer: +43 1 202 53 31-609

Donaustadtstraße 51
1220 Wien 


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