Vienna Autoshow 2015 - Die fünf Unterschiede

Auch heuer ruft die Messe Wien alle Benzin-Begeisterte zur alljährlichen Vienna Autoshow. Beim Betreten der Hallen wird man allerdings ein gewisses Gefühl des Deja-Vus kaum los. Wer bereits im Vorjahr das Vergnügen hatte hier zu sein, wird mit einem Suchspiel konfrontiert. Allzu bekannt fällt der erste Eindruck aus. Doch wer genau hinsieht, wird schnell die wirklichen Highlights und Neuigkeiten finden. Wir haben uns in den Trubel gestürzt und die berühmten 5 Unterschiede herausgefiltert.

Unterschied 1: Elektromobilität als Randnotiz
Wie auch im Vorjahr empfängt die Halle C die Besucher mit dem bayrischen Aushängeschild der Elektromobilität - der i-Familie. War im Vorjahr der i3 als Publikumsmagnet zum Anfassen gedacht und der i8 noch als Schaustück hinter einer Absperrung verbarrikadiert, so avancierte der i8 heuer zum Star. Scharenweise standen die Menschentrauben um den sportlichen Plug-in-Hybrid. Während manche sich mit einem Außen-Selfie begnügten, taten die Anderen, ohne Rücksicht auf chiropraktische Spätfolgen, das was der Promotor vorschlug: "Sanft über den Schweller in den Innenraum gleiten".







Während Audi stolz den technischen Aufbau des hauseigenen E-Tron Modells als Explosions-Modell präsentiert, darf Tesla sein Dasein abseits der Hallen im Gang fristen. Schade eigentlich, denn gerade Tesla, als Underdog und Pionier der elektrischen Mobilität ist einen Blick wert - wenn auch modelltechnisch keine Neuigkeiten zu sehen sind.



Unterschied 2: Mercedes und Opel in der Midlife Crisis?
Der Mercedesstand ist gefühlt größer als im Vorjahr und fällt durch seine Auswahl an sportlichen AMG-Modellen am oberen Ende der Bandbreite. Mit dem AMG GT als Aushängeschild der wiedergefundenen Jugendlichkeit ist man hier bemüht jugendlich aufgestellt. Wenig jugendkonform, dafür umso traditioneller fallen freilich die Preisschilder aus. Um auch die kleine Geldbörse zu bedienen, wird die extreme Knuffigkeit des neuen Smarts präsentiert.





Ähnlich bemüht stellt sich auch Opel dar. Das bereits 2013 präsentierte Monza Concept soll zeigen, dass auch Opel dem Biedermann-Image den Kampf angesagt hat. Der mit Assistenzsystemen gespickte Corsa soll hier das Premium-Segment und die Kompaktklasse zusammenführen.




Unterschied 3: Erschließung neuer Märkte
Allgemein scheint die Erschließung neuer Märkte das Hauptthema der Vienna Autoshow zu sein. Doch während in der Vergangenheit stets nach dem oberen Rand der Bandbreite, dem vielzitierten Prädikat "Premium" gestreckt wurde, scheint man inzwischen neue Käuferschichten mit einem Mobilitätsbudget unterhalb der € 1.000,- pro Monat (Anm.: inkl. Leasing/AfA, Versicherung, Service, Sprit, etc.) gefunden zu haben. Citroen präsentiert hier den Cactus. Das blechgewordene Sparpaket übt nicht nur den Verzicht auf die Annehmlichkeiten moderner Automobilelektronik - Assistenzsysteme gibt es nicht mal gegen Aufpreis - sondern entledigt sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit der Wohlstandspfunde (rd. 1 Tonne Lebendgewicht). Symptomatisch für das Sparprogramm sind die Heavy-Duty-Luftpolsterfolien als Stoßfänger an Türen und Stoßstangen und die Innenraum-Textilien die augenscheinlich aus Altbeständen der Citroen-Berlingo-Fertigung der 90er Jahre stammen. Trotz des großflächig eingesetzten Rotstiftes und eines Einstiegspreises von knapp € 13.000,- schafft der Cactus dabei Style und Charme zu vermitteln.




BMW wagt sich ebenfalls in neue Regionen und stellt nun, abseits der Mini-Palette, den frontgetriebenen 2er Active Tourer vor. Auch wenn der Verzicht auf Heckantrieb für die Kernkäuferschaft einem Sakrileg gleicht, muss man fairer weise sagen, dass zumindest der Innenraum wohl der sportlichste unter den Mini-Vans ist.




Auch Ford traut sich nun endlich die amerikanischen Wurzeln zu präsentieren und stellt den neuen Mustang vor. Stilecht von Cow-Girls ins rechte Licht gerückt, will Ford die Muscle-Car Fans ansprechen. Das erste Probesitzen vermittelt einen wertigeren Eindruck als das Vorgängermodell. Gerüchten zufolge darf man mit einem Preis im Bereich der € 50.000,- (nach oben offen, versteht sich) rechnen.



Unterschied 4: Rot ist das neue Weiß
Durch Tradition motiviert, machte Alfa es vor. Mazda bewies, dass Rot auch abseits Italiens salonfähig sein kann. Nun trauen sich immer mehr Hersteller die Signalfarbe zu plakatieren. Was früher als Zeichen von Aggression (eher unwahrscheinlich) oder von Sparsamkeit (schon wahrscheinlicher) galt, ist heuer bei fast jedem Hersteller zu finden. Von bodenständig wie Skoda bis nobel-elegant wie Jaguar, jeder bekennt Farbe. Ob sich dieser Trend auch auf das heimische Straßenbild übertragen lässt, wird sich wohl in den kommenden Jahren zeigen. Audi scheint hier nicht so zuversichtlich und präsentiert sich durch und durch im unschuldigen Weiß.




Unterschied 5: Fortschritt auf leisen Sohlen
Auf den ersten Blick erscheinen die Modelle oft bekannt und kleinere Retuschen an der Optik können hier noch wenige begeistern. Doch der Fortschritt kommt selten aufdringlich. Die eigentlichen Entwicklungen finden nur knapp über der Wahrnehmbarkeitsgrenze statt. So haben sich die Assisenzsysteme inzwischen bis in die Kompaktklasse fortgesetzt. Scheinwerfer mit LED-Technologie erscheinen inzwischen wenig futuristisch.  Beim genauen hinsehen wird lässt sich auch der Siegeszug der HUD-Technologie abschätzen. Wenn auch noch sehr sporadisch zu finden, dringt dieses Gadget in der Klassenhierarchie immer weiter nach unten. Auch die klassischen Rundinstrumente scheinen sich langsam auf ihren Abschied vor zu bereiten. Immer mehr steht ein Multifunktionsdisplay im Vordergrund. VAG geht hier einen Schritt weiter. In die ausladende Karosserie des neue Passats oder ins enge Blechkleid des neuen TTs gehüllt, nimmt der Konzern dem "Science Fiction" das "Fiction". Ein großflächiges Display übernimmt hier sämtliche Funktionen. Vom Radiosender bis zur Navi-Kartenprojektion, darf hier hinter dem Lenkradkranz beobachtet werden. Geschwindigkeit und Drehzahl werden freilich auch angezeigt, wenn man umbedingt will. 




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