Mini Cooper - Eine unerwartete Probefahrt mit einem überraschenden Ergebnis

Ich mag Mini nicht! Es ist nicht diese Art von Abneigung die man empfindet wenn man einen Ordnungshüter dabei beobachtet wie er gerade einen Strafzettel auf die Windschutzscheibe des eigenen Wagens heftet, vielmehr ist es wie mit dem Klassensprecher in der 4. Klasse. Eigentlich ein ganz witziger Kerl dieser Schmidt, aber ständig den Suppenschlitz auf Durchzug. Eine echte Attention-Whore. Es ist diese penetrante Aufdringlichkeit, die ihn alle Sympathien verspielen ließ. 


Man muss sich den Mini nur mal ansehen. Mit seiner schreiend-bunten Lackierung ist er doch so "süß" und so "knuffig". Und dann sind da noch all die "witzigen Designs" die man dem Dach verpassen kann. Klein, laut, aufdringlich und man kann ihn in allerhand "witzige Outfits" stecken - der Chi-chua-chua unter den Autos.

Die Designsprache war von Anfang an jenseits der Lächerlichkeitstangente angesiedelt und mit dem kürzlich erschienen, neuen Modell ist es wohl nicht besser geworden. Auch abseits der Ästhetik finde ich kaum Positives. Das Lederlenkrad ist schön - die rauhe, harte Oberfläche eignet sich vermutlich sogar dazu einen Diamanten glatt zu schleifen. Schließt man die Tür, hat man eher das Gefühl ein lose vernageltes Scheunentor zu sperren, denn die Tür eines Lifestyle-Wagens ins Schloss fallen zu lassen. Wie gesagt: ich mag ihn nicht, den Mini!


Als ich also heute Vormittag sagte "Was sportliches" als Antwort auf die Frage des BMW-Werkstattmitarbeiters, welches Auto ich als Leihwagen haben möchte, rechnete ich nicht mit einem 122 PS "starken",  quietsch-blauen Mini Cooper auf Stahlfelgen. (Stahlfelgen?! Ernsthaft?!Ich dachte ich bin bei BMW und nicht LADA)



Es dauerte nur wenige Meter bis die automatikverwöhnten Gelenke zur gewohnten Einheit aus Kupplungspedal und Schaltknauf wurden. Es dauerte nur wenige Kanaldeckel bis die Kombination aus strafen Fahrwerk und Run-Flat-Tires die Sinne wachschüttelte. Es dauerte nur wenige, ambitioniert gefahrene 90-Grad-Kurven bis sich mir eine Frage stellte: Wann wurde das Autofahren eigentlich zu einer langweilig-bequemen Nebensache? Irgendwo zwischen Büro und Kundentermin wurde aus "Fahren" ein "Bedienen der Bordelektronik". Die Magie des Moments, wenn der Schlüssel ins Schloss fällt und das Triebwerk den Dienst mit einem verheißungsvollen Grummeln antritt, hat sich verflüchtigt. Der Spaß an der Sache ist dem Alltag gewichen. So muss sich wohl eine Midlife-Crisis anfühlen.



Nun sitze ich aber hinter dem Steuer dieser durchgestylten Einkaufstasche und fühle mich mit jedem Schaltvorgang ein bisschen jünger. Die altersbedingte Vernunft wird zusammen mit dem Sprit durch den Auspuff gejagt, während die Nadel des Drehzahlmessers den Glückshormonspiegel wiedergibt. 


Anstelle des sonst so zurückhaltenden, vorausschauenden Cruisens wird jede blinkende Ampel zu einer perfekten Ausrede um die ersten paar Gänge auszufahren. Ist hinter der Ampel dann noch eine 90° Kurve - umso besser! Ohne Rücksicht auf (Gummi-)Verluste wird (entsprechende Übersicht und verifizierte Hindernislosigkeit vorausgesetzt) der Punkt des Haftungsabrisses abgetastet. Das Verpassen der Grünphase ist auch kein Malheur. In den wenigen Minuten Verschnaufpause kann der Puls auf erträgliche Frequenzen herabgesetzt werden. Der Countdown über Gelb auf Grün fährt den Kreislauf weder auf Vollast. Die wenigen Sekunden zwischen 0 und 50 werden genussvoll ausgekostet. 


Wirkt man mit dieser Fahrweise wie ein Oberprolet? Absolut! Ist es wichtig? Nicht im Geringsten! Überhaupt verkommt die gesamte Umwelt zu einer reinen Kulisse, die anderen Verkehrsteilnehmer zu Statisten. Diese Realtitätsentkopplung verleiht dem Erlebnis eine besondere Surrealität. Kriege, Finanzkrisen und verpasste Abgabetermine verlieren ihre Daseinsberechtigung. Während die Welt da draußen vor die Hunde zu gehen scheint, ist man in seinem Mini in einen Kokon aus Drehzahl und Bodenhaftung eingehüllt. Lauscht man dem Kampf von Drehmoment gegen Trägkeit, wird das Einhalten der StVO zur eigentlichen Herausforderung.



Der Mini bewegt mich knappe 24 Stunden. 24 Stunden in denen der Arbeitsalltag trotzdem passiert. Jeder Weg zu einem Termin wird abermals zu einem Erlebnis - einem Erlebnisurlaub auf Raten. Etwas wackeligen Schrittes aber überglücklich schäle ich mich aus den Ledersesseln. Der perfekte Ausgleich zum Alltagsstress. 


Der Abschied fällt schwer, als der Anruf über die Fertigstellung meines Serviceauftrages kommt. Auch wenn mich der BMW mit einer großen Portion mehr Auto empfängt und ich mich auf anhieb wohl fühle, sind es diese 400-500 kg mehr, dieser Komfort, diese Abschirmung zur Außenwelt die jeden Anflug von Fahrspaß unmittelbar im Keim erstickt.


Es ist dieser Kick, diese an- und aufregende Anspannung die fehlt. Die einsetzenden Entzugserscheinungen sind der Beweis, dass Mini-Fahren eine bewusstseinserweiternde Wirkung hat. Während die jüngere Generation für die Legalisierung von Gras demonstriert, wünsche ich mir eine andere Art der Stimmungsaufheller - Mini-Fahren auf Rezept! Das wär's!

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